| Blaue Augen von Raymonde Harland Mai 2024 |
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1. Siamfärbung
Bei den Sibirischen Katzen gibt es eine blauäugige Variante, die Neva Masquarade. Die blauen Augen werden durch ein Gen verursacht, dass ursprünglich nur bei der Siamkatze bekannt war und deshalb auch nach ihr benannt wurde: cs
Liegt dies Gen bei einer Katze reinerbig vor, dann hat sie nicht nur blaue Augen, sondern auch eine temperaturabhängige Körperfarbe, d.h. nur die kälteren Körperstellen sind gefärbt, das sind Gesicht, Ohren, Pfoten, Schwanz und Hoden. Der Rest des Körpers bleibt hell, je jünger das Tier ist, umso heller, Neugeborene sind sogar ganz weiß. Bei Maine Coon ist diese Färbung laut Standard ausgeschlossen, trotzdem kommt das Gen cs in einigen Linien vor.
2. Scheckung
Viele Maine Coon und Sibirischen Katzen haben Bereiche mit weißem Fell. Im Stammbaum wird dann die Farbe als mit "white" angegeben. Bei Maine Coon hat sich auch der Ausdruck "high white" umgangssprachlich eingebürgert, wenn ein großer Anteil der Katze weißes Fell zeigt. Bei den Sibirischen Katzen wird die Höhe des Weißanteils meistens nicht genau angegeben, bei der Neva Masquarade wurde zu Beginn der Zucht versucht die Bezeichnungen bicolour und mitted zu etablieren, die sich aber nicht durchgesetzt haben. Ein weißes Fell ist ein entfärbtes Fell, d.h. die vorhandene Information über Fellfarbe wird nicht abgelesen und kein Farbstoff ins Haar eingelagert. Dies gilt auch für die Augen. Eine Katze mit hohem Anteil an Scheckungsweiß kann also ein oder beide Augen in blauer Farbe haben. Das dominante Gen, dass dies auslöst wurde früher als "S" bezeichnet. Inzwischen ist die Bezeichnung "ws" üblich.
3. Epistatisches Weiss
Komplett weißes Fell kommt sowohl bei Maine Coon, als auch bei Sibirischen Katzen vor. Hier verhindert das dominante Gen "W" komplett die Einlagerung von Farbpigmenten im Haar. In den Augen können trotzdem Farbpigmente sein, deshalb kommen blaue Augen oder andere Augenfarben sowie zweifarbige Augen vor. Leider kann dieses Gen auch Taubheit verursachen.
4. Altai/Topas DBE (dominant blue eyes = DBE)
Blauäugigkeit auf einem oder zwei Augen ist ein Merkmal von Altai/Topas Katzen. Das Gen für Altai ALT ist noch nicht gut erforscht, es trat zuerst bei Katzen in Russland auf. Züchter versuchen seit dem eine eigene Rasse aufzubauen. Altai haben nur einen winzigen Fleck weißes Fell, meistens an der Schwanzspitze und sind ansonsten in jeder beliebigen Farbe gefärbt. Um die genetische Vielfalt zu erhöhen konnten Altaikatzen mit sibirischen Katzen verpaart werden. So ist es kein Wunder, dass auch immer öfter Sibirische Katzen diese Färbung zeigen. Auf dem Stammbaum ist die Einkreuzung von Altai meistens nicht vermerkt. Das intensive Blau der Augen ist attraktiv und wurde inzwischen auch bei Maine Coon und anderen Rassen gesehen.
Im Mai 2024 veröffentliche eine französische Genetikerin eine Studie zu den dominant blauen Augen. 4 Sibirische Katzen, davon 2 von meinen Kitten nahmen an der Studie teil. Das Ergebnis zeigte eindeutig, dass die Sibirischen Katzen das selbe Gen für blaue Augen haben, wie die französische Rasse Celeste, Briten und teilweise die Maine Coon. Es ist die sogenannte Roxi-Mutation am Pax3 Gen, von einigen Laboren auch CEL genannt. Hier können Sie die Studie nachlesen. PAX3-Studie DBE
Das Roxi-Gen ist unvollständig dominant, d.h. es kann
sich an der Katze unterschiedlich zeigen:
1. Es können ein oder zwei Augen blau sein
2. Es können weiße Flecken im Fell sein, sogenannte white spots
3. Die Augenfarben sind nicht blau, aber im Kittenalter leuchten die Augen im
Dunklen rot (sogenannte latente)
Diese 3 phänotypischen Anzeichen können einzeln oder zusammen auftreten.
Da viele Katzen mit diesem Gen für DBE auch einen Hörtest bestanden haben, kann man davon ausgehen, dass die Katzen keine gesundheitlichen Probleme haben, solange man das Gen nicht doppelt in einer Katze hat. Wir werden in Zusammenarbeit mit anderen Züchtern dies weiter beobachten, glücklicherweise werden in unserem Verein die blauen Augen im Stammbaum eingetragen (auch die latenten), so dass nicht versehentlich reinerbige Kitten entstehen.
Inzwischen wurden weitere Mutationen für dominant blaue Augen gefunden, die im Labor getestet werden können. Bei der Zucht Sibirischer Katzen spielen sie aber keine Rolle.
5. andere
Es gibt auch andere Gene, die blaue Augen verursachen können, z.B. Ojos Azules dies spielt jedoch bei der Maine Coon und Sibirischen Katze keine Rolle.
Wer noch mehr über Blue Eyes Gene wissen möchte, hier ist ein interessanter Link zur Seite von Sarah Hartwell, bekannte Felinologin, über Genetik in der Katzenzucht.
http://messybeast.com/blue-eye-breeds.htm
und nun noch eine schöne Sage über die blauen Augen der Sibirischen Katze:
Die Legende der Sibirischen Eiskatzen
Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war und der Schnee Sibiriens weißer als
die Wolken, lebten tief in der Taiga die Geister des Nordens. Sie waren so alt
wie die Berge selbst und so weise wie der ewige Permafrost. Und sie hatten
Wächter – flauschige, stille Wesen mit Augen in der Farbe des Winterhimmels.
Diese Katzen wurden nicht wie andere Lebewesen geboren. Sie entstanden aus dem
ersten Frost, der sich auf die Kiefernzweige legte, aus der Stille des
Schneefalls und aus dem Schimmern der Nordlichter. Jeden Winter, wenn die Kälte
ihre tiefste Stille erreichte, formten die Geister neue Wächter aus Schnee und
Mondlicht. Der Hauch des Windes schenkte ihnen Leben, und die Sterne der
Nordkrone verliehen ihnen Augen – blau wie Splitter uralten Eises.
Die Eisschnurrer, wie die Geister sie nannten, waren keine gewöhnlichen Tiere.
Sie waren die Erinnerung an den Winter. Ihr dichtes Fell speicherte die Wärme
der Herde, die sie bewachten, und ihre kleinen Pfoten hinterließen keine Spuren
im Schnee, um die zarte Harmonie der schlafenden Erde nicht zu stören. Sie
konnten sich in einem Schneesturm auflösen, leiser werden als eine fallende
Schneeflocke und so schnurren, dass es selbst in der kältesten Kälte wärmte.
Sie begegneten nur selten Menschen. Nur die gütigsten unter ihnen, jene, die den
Wald achteten und ihr letztes Stück Brot mit jedem Lebewesen teilten, bekamen
manchmal einen solchen Besucher vor ihrer Tür. Sie spähte mit ihren eisigen
Augen ins Haus, und wenn sie Reinheit im Herzen des Menschen sah, blieb sie. Das
Glück und die Wärme, die sie brachte, waren so groß, dass Legenden von den
„Schneekatzen“ über Generationen weitergegeben wurden, doch nur wenige hatten
sie je gesehen.
Aber die Geister des Nordens begannen zu altern. Die Welt veränderte sich, und
der Lärm der Zivilisation drang selbst in die entlegensten Winkel der Taiga. Und
so trafen die uralten Wächter eine verzweifelte Entscheidung. Sie legten ihre
letzte Magie in ihre Eisschnurrer und sandten sie in die Welt der Menschen –
nicht als seltene Besucher, sondern als ständige Bewohner.
Heutzutage, da die Winter kürzer werden und alte Legenden in Vergessenheit
geraten, tauchen diese Katzen immer häufiger auf. Man findet sie vor den
Haustüren sibirischer Städte, entdeckt sie in Tierheimen – unglaublich
flauschig, mit stechend blauen Augen und einem Wesen, das auf seltsame Weise die
Unabhängigkeit eines wilden Tieres mit einer unendlichen, tröstlichen
Zärtlichkeit vereint.
Man sagt, jede dieser Katzen sei eine Botschaft. Eine Botschaft der schlafenden
Geister des Nordens, die den Menschen ihren kostbarsten Schatz anvertrauen: die
Erinnerung an Stille, Reinheit und die unaufgeregte Weisheit der Kälte. Sie
kommen nicht ohne Grund. Sie kommen, um uns daran zu erinnern, dass selbst im
bittersten Frost Wärme ist; in tiefster Dunkelheit der Glanz der Sterne; und in
jedem Herzen Platz für ein stilles, schnurrendes Staunen.
Und sollten Sie jemals das Glück haben, einer solchen Katze zu begegnen –
flauschig, mit Augen wie das Eis des Baikalsees –, dann wissen Sie: Sie ist
nicht einfach nur eine Katze. Sie ist ein Fragment uralter Magie, gekommen, um
unsere Welt zu erwärmen. Heißen Sie sie willkommen, und die sanfte Geschichte
des langen sibirischen Winters wird in Ihr Zuhause Einzug halten.